Sonnenschutz: Warum LSF 50 allein nicht reicht.
Der Faktor auf der Flasche gilt für eine Menge Creme, die fast niemand aufträgt. Das ist der Grund, warum LSF 50 im Alltag selten LSF 50 ist.

Sonnenschutz richtig anwenden – Apotheke Cham
Was bedeutet der Lichtschutzfaktor wirklich?
Der Lichtschutzfaktor wird im Labor unter genau festgelegten Bedingungen bestimmt: mit zwei Milligramm Creme pro Quadratzentimeter Haut. Das klingt abstrakt, ist aber der entscheidende Punkt.
Auf einen erwachsenen Körper umgerechnet sind das rund 30 bis 40 Milliliter pro Anwendung, etwa ein gefülltes Schnapsglas. Für Gesicht und Hals allein etwa ein halber Teelöffel.
Untersuchungen zeigen regelmässig, dass die meisten Menschen nur ein Viertel bis die Hälfte dieser Menge auftragen. Und der Schutz sinkt dabei nicht proportional, sondern deutlich stärker. Wer LSF 50 zu dünn aufträgt, liegt im Alltag oft im Bereich eines mittleren Faktors.
Die praktische Konsequenz ist unspektakulär, aber wirksam: Nicht den Faktor erhöhen, sondern die Menge. Eine grosszügig aufgetragene 30er-Creme schützt besser als eine sparsam verteilte 50er.
Gut zu wissen
Eine Tube mit 200 Millilitern reicht bei korrekter Anwendung für eine Person etwa fünf bis sechs Ganzkörperanwendungen. Wenn Ihre Sonnencreme vom letzten Sommer noch halb voll ist, war es zu wenig.
Warum UVA genauso zählt wie UVB
Der Lichtschutzfaktor beschreibt nur den Schutz vor UVB-Strahlung, also vor dem, was den Sonnenbrand verursacht.
UVA-Strahlen dringen tiefer ein. Sie verursachen keinen akuten Sonnenbrand, tragen aber zur Hautalterung bei und schädigen das Erbgut der Hautzellen. Sie durchdringen auch Fensterglas und sind über den Tag gleichmässiger vorhanden als UVB.
Achten Sie deshalb auf das UVA-Zeichen: ein eingekreistes „UVA“ auf der Verpackung. Es bedeutet, dass der UVA-Schutz mindestens einem Drittel des angegebenen Lichtschutzfaktors entspricht. Ein Produkt ohne dieses Zeichen kann einen hohen Faktor haben und trotzdem UVA-seitig schwach sein.
Welche Medikamente machen die Haut lichtempfindlich?
Das ist der Punkt, an dem eine Apotheke etwas beitragen kann, was auf keiner Cremepackung steht.
Eine Reihe von Medikamenten macht die Haut deutlich empfindlicher gegenüber Sonnenlicht. Betroffene bekommen dann bei einer Sonnenexposition einen Ausschlag oder Sonnenbrand, die sie sich nicht erklären können. Zu den bekannten Gruppen gehören bestimmte Antibiotika, einige entwässernde Mittel, verschiedene Rheumamittel, manche Antidepressiva sowie Johanniskraut-Präparate.
Auch äusserlich angewendete Mittel spielen mit, etwa manche Aknebehandlungen und Wirkstoffe der Vitamin-A-Gruppe in Pflegeprodukten.
Wenn Sie ein neues Medikament nehmen und im Sommer plötzlich anders auf Sonne reagieren, ist das weder Zufall noch Einbildung. Bringen Sie Ihre Medikamentenliste mit, wir schauen in zwei Minuten nach. Das ist derselbe Blick, den wir auch bei der Apothekersprechstunde machen.
Wie Sie richtig auftragen
- Vor dem Anziehen eincremen, nicht am Strand. Im Badeanzug übersieht man die Ränder, und die brennen dann.
- Zwanzig bis dreissig Minuten vor dem Rausgehen, damit der Film sich setzt.
- Alle zwei Stunden nachcremen, und immer nach dem Baden und nach dem Abtrocknen.
- Die vergessenen Stellen: Ohren, Nacken, Fussrücken, Handrücken, Lippen mit UV-Stift, und bei schütterem Haar der Scheitel.
- „Wasserfest“ heisst nicht wasserdicht. Der Begriff bedeutet, dass ein Teil des Schutzes nach zwei Bädern von je zwanzig Minuten erhalten bleibt. Danach ist Nachcremen fällig.
Nachcremen verlängert übrigens nicht die Schutzzeit. Es stellt den Schutz wieder her, der durch Schwitzen, Abrieb und Wasser verloren ging. Wer morgens LSF 50 aufträgt und um zwei Uhr nachcremt, hat nicht doppelt so lange Schutz.
Was Creme nicht leisten kann
Sonnenschutzmittel sind das letzte Glied der Kette, nicht das erste.
Schatten zwischen elf und fünfzehn Uhr bringt mehr als jedes Produkt. Kleidung schützt zuverlässiger als Creme, weil sie nicht verrutscht und sich nicht abreibt, dicht gewebte Stoffe schützen besser als lockere. Hut mit breiter Krempe für Gesicht, Ohren und Nacken. Sonnenbrille mit UV-Schutz, weil auch die Augen und die dünne Lidhaut betroffen sind.
Für Säuglinge unter einem Jahr gilt: gar keine direkte Sonne. In diesem Alter ist Schatten und Kleidung der Weg, nicht Sonnencreme.
Und ein Satz, der jedes Jahr nötig ist: Auch bei bedecktem Himmel kommt ein erheblicher Teil der UV-Strahlung durch. Der stärkste Sonnenbrand entsteht oft am bewölkten Tag im Boot oder in den Bergen, weil sich niemand gefährdet fühlt. Wasser, Sand und Schnee reflektieren zusätzlich.
Wichtig
Muttermale, die sich in Grösse, Form oder Farbe verändern, jucken oder bluten, gehören ärztlich angeschaut. Wir beraten zu Sonnenschutz, aber die Beurteilung von Hautveränderungen ist Sache der Dermatologie.
Stand Juli 2026. Bestimmung des Lichtschutzfaktors nach ISO-Norm mit 2 mg/cm², UVA-Kennzeichnung gemäss EU-Empfehlung 2006/647/EG.
Über die Autorin
Tamara Ringger
Geschäftsleitung und Fachfrau Apotheke, Omida Schüssler Master, Bachblütenspezialistin, Ausbilderin und Prüfungsexpertin. Berät seit Jahren am Tresen in Cham und schreibt hier über die Fragen, die dort am häufigsten kommen.
Fachlich geprüft von einer Apothekerin im Team. Dieser Beitrag ersetzt keine Beratung und keine Diagnose.
Häufige Fragen
Häufige Fragen zu Zecken und FSME.
Reicht die Sonnencreme vom letzten Jahr?
Wenn sie richtig gelagert wurde und das Haltbarkeitssymbol es hergibt, ja. Wenn sie im Auto überwintert hat, sich getrennt hat oder anders riecht, nein. Und wenn sie noch fast voll ist, war die Menge letztes Jahr zu knapp.
Ist LSF 30 oder LSF 50 besser?
LSF 30 filtert rund 97 Prozent der UVB-Strahlung, LSF 50 rund 98. Der Unterschied ist kleiner als der Unterschied zwischen dünn und grosszügig aufgetragen. Für empfindliche Haut, Kinder und die Berge nehmen Sie trotzdem 50.
Brauche ich im Winter Sonnenschutz?
In den Bergen ja, unbedingt. Höhenlage und Schneereflexion erhöhen die Belastung deutlich. Im Flachland reicht im Winter für die meisten eine Tagespflege mit leichtem UV-Schutz für das Gesicht.
Verhindert Sonnencreme die Vitamin-D-Bildung?
Im Alltag spielt das eine untergeordnete Rolle, weil kaum jemand lückenlos eincremt. Wenn Sie sich Sorgen machen, lässt sich der Vitamin-D-Status bestimmen, statt dafür auf Schutz zu verzichten.
Was ist der Unterschied zwischen mineralischen und chemischen Filtern?
Mineralische Filter legen sich auf die Haut und wirken sofort, hinterlassen aber eher einen weisslichen Film. Chemische Filter ziehen ein und brauchen etwas Vorlaufzeit. Für empfindliche Haut und für Kinder werden mineralische Filter oft bevorzugt. Beides schützt, wenn genug davon auf der Haut ist.
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