Bluthochdruck: Wann wird es gefährlich?
Das Tückische an Bluthochdruck ist nicht, dass er weh tut. Sondern dass er es nicht tut.
Bluthochdruck erkennen – Apotheke Cham
Warum Sie nichts merken, und warum das das Problem ist
Bluthochdruck verursacht typischerweise gar keine Beschwerden, oft über Jahre hinweg. Kopfschmerzen, ein roter Kopf oder Nasenbluten sind entgegen einer verbreiteten Annahme keine verlässlichen Anzeichen.
Genau darin liegt das Risiko. Während man sich völlig normal fühlt, arbeitet das Herz gegen einen zu hohen Widerstand, und die Gefässwände werden dauerhaft belastet. Die Folgen zeigen sich erst später: an Herz, Gehirn, Nieren und Augen.
Verlässlich wissen Sie es also nur durch Messen.
Welche Werte zählen?
Der Blutdruck wird mit zwei Zahlen angegeben. Der obere Wert entsteht, wenn das Herz pumpt, der untere, wenn es sich zwischen zwei Schlägen entspannt. In der Apotheke oder Arztpraxis spricht man ab 140/90 mmHg von Bluthochdruck, bei der Selbstmessung zu Hause ab 135/85 mmHg.
Die Heimwerte liegen tiefer, weil zu Hause die Anspannung fehlt, die in der Praxis mitmisst. Dieser Effekt hat einen Namen, „Weisskittelhochdruck“, und er ist der Grund, warum ein einzelner erhöhter Wert bei uns noch keine Diagnose ist.
Ein einzelner hoher Wert bedeutet ohnehin wenig. Der Blutdruck schwankt über den Tag, nach Kaffee, nach Treppensteigen, bei Ärger. Aussagekräftig wird es erst über mehrere Messungen an verschiedenen Tagen.
Wie messen Sie richtig?
Die meisten Fehlmessungen entstehen an der Situation, nicht am Gerät. Fünf Punkte machen den Unterschied:
- Fünf Minuten sitzen bleiben, bevor Sie messen. Nicht direkt nach dem Treppensteigen oder dem Telefonat.
- Rücken angelehnt, Füsse flach auf dem Boden, Beine nicht übereinandergeschlagen.
- Manschette auf dem nackten Oberarm, nicht über dem Pullover, und auf Herzhöhe.
- Nicht sprechen während der Messung, auch nicht zuhören.
- Zweimal messen, mit einer Minute Pause, und den zweiten Wert notieren.
Handgelenkgeräte funktionieren, sind aber empfindlicher für die Haltung. Wenn Sie eines nutzen, muss das Handgelenk auf Herzhöhe liegen. Bringen Sie Ihr Gerät ruhig einmal mit, wir vergleichen es mit unserem.
Gut zu wissen
Führen Sie eine Woche lang morgens und abends Protokoll, bevor Sie zur Ärztin gehen. Diese Liste ist für die Beurteilung mehr wert als jede Einzelmessung in der Praxis.
Wann Sie sofort handeln müssen
Es gibt eine Ausnahme von der Regel, dass Bluthochdruck keine Beschwerden macht: wenn der Druck plötzlich stark ansteigt. Dann können Symptome auftreten, und dann zählt Zeit.
Sofort ärztliche Hilfe, wenn sehr hohe Werte zusammentreffen mit:
- Brustschmerzen oder Engegefühl
- Atemnot
- plötzlichen Sehstörungen
- Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen, einseitigem Taubheitsgefühl
- starken, ungewohnten Kopfschmerzen mit Übelkeit oder Verwirrtheit
Bei Anzeichen eines Schlaganfalls gilt die 144. Nicht abwarten, nicht erst in der Apotheke vorbeischauen, nicht „schauen, ob es von selbst weggeht“.
Was Sie selbst beeinflussen können
Nicht alles ist beeinflussbar: Alter und familiäre Veranlagung bleiben, wie sie sind. Der Rest ist überraschend zugänglich.
- Salz. Der grösste Teil der Salzaufnahme stammt aus Brot, Käse, Wurstwaren und Fertigprodukten. Wer dort reduziert, erreicht deutlich mehr als beim Verzicht aufs Nachsalzen.
- Bewegung. Regelmässige Ausdauerbewegung senkt den Blutdruck messbar. Es müssen keine Trainingspläne sein, zügiges Gehen genügt.
- Gewicht. Schon wenige Kilogramm weniger wirken sich aus.
- Alkohol. Wird als Faktor regelmässig unterschätzt.
- Rauchen. Jede Zigarette treibt den Druck kurzfristig hoch, und langfristig schädigt sie die Gefässe zusätzlich.
- Schlaf. Schlafapnoe ist eine häufige und häufig übersehene Ursache für schwer einstellbaren Bluthochdruck. Wenn Sie laut schnarchen und tagsüber müde sind, sprechen Sie es an.
Wenn Medikamente verordnet sind, ist der wichtigste Punkt die Regelmässigkeit. Blutdruckmittel wirken, solange man sie nimmt. Sie abzusetzen, weil die Werte gut sind, ist so, als würde man den Regenschirm zuklappen, weil man trocken bleibt. Genau hier hilft übrigens Blistering, wenn mehrere Präparate zusammenkommen.
Wichtig
Setzen Sie verordnete Blutdruckmedikamente nie eigenmächtig ab und ändern Sie die Dosis nicht selbst. Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, sprechen Sie mit uns oder Ihrer Ärztin, es gibt fast immer Alternativen.
Wo Sie messen lassen können
Bei uns messen Sie ohne Termin. Es dauert ein paar Minuten, kostet Sie nichts ausser der Zeit, und wir ordnen den Wert für Sie ein. Wenn er auffällig ist, sagen wir Ihnen, ob eine Kontrolle reicht oder ob es zur Ärztin gehört.
Wer es genauer will, kombiniert das mit einem Gesundheitscheck: Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin und CRP in einem Durchgang, sofort gemessen und direkt mit Ihnen besprochen.
Stand Juli 2026. Grenzwerte gemäss den aktuellen Empfehlungen der Schweizerischen Herzstiftung.
Über die Autorin
Tamara Ringger
Geschäftsleitung und Fachfrau Apotheke, Omida Schüssler Master, Bachblütenspezialistin, Ausbilderin und Prüfungsexpertin. Berät seit Jahren am Tresen in Cham und schreibt hier über die Fragen, die dort am häufigsten kommen.
Fachlich geprüft von einer Apothekerin im Team. Dieser Beitrag ersetzt keine Beratung und keine Diagnose.
Häufige Fragen
Häufige Fragen zu Zecken und FSME.
Ab welchem Alter sollte ich den Blutdruck kontrollieren lassen?
Spätestens ab vierzig lohnt sich eine regelmässige Kontrolle, bei familiärer Vorbelastung früher. Wer gesund ist und normale Werte hat, kommt mit einer Messung pro Jahr weit.
Mein Wert war einmal hoch. Habe ich jetzt Bluthochdruck?
Nein. Eine Diagnose beruht auf wiederholten Messungen an verschiedenen Tagen, nicht auf einem Wert. Messen Sie eine Woche lang zu Hause und bringen Sie die Liste mit.
Was bedeutet der untere Wert?
Er zeigt den Druck in der Entspannungsphase des Herzens. Ein isoliert erhöhter unterer Wert kommt vor allem bei jüngeren Menschen vor und gehört ebenso abgeklärt wie ein erhöhter oberer.
Kann ich Blutdruckmittel am Abend statt am Morgen nehmen?
Das kommt auf das Präparat und Ihre Situation an. Fragen Sie, bevor Sie umstellen, es ist eine sinnvolle Frage und wir beantworten sie gern.
Ist ein tiefer Blutdruck gefährlich?
Ein tiefer Blutdruck ohne Beschwerden ist meist unproblematisch. Wenn Ihnen beim Aufstehen schwarz vor Augen wird oder Sie schwindlig werden, sollten wir darüber reden.
Weitere Artikel
- Wochenblister aus durchsichtiger Folie mit farbigen Tabletten in TagesfächernMedikamente3. April 2026Blistering: Wer braucht es, und wie funktioniert es?
- Tasse mit Kräutertee, Taschentuch und Thermometer auf einer hellen FensterbankSaisonal15. Oktober 2026Erkältung oder Grippe? Wann Sie zur Apotheke sollten.
Vorsorge
Jetzt an die FSME-Impfung denken.
Wir impfen ohne Arzttermin, bringen Sie einfach Ihr Impfbüchlein mit.